• 12.12.2021
      23:50 Uhr
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      Themen:

      • Felicitas Hoppe – Die Nibelungen
      • Cécile Wajsbrot: Nevermore
      • Empfehlung Denis Scheck: Marieke Lucas Rijneveld

      Sonntag, 12.12.21
      23:50 - 00:20 Uhr (30 Min.)
      30 Min.
      VPS 23:35

      Themen:

      • Felicitas Hoppe – Die Nibelungen
      • Cécile Wajsbrot: Nevermore
      • Empfehlung Denis Scheck: Marieke Lucas Rijneveld

       
      • Felicitas Hoppe – Die Nibelungen

      Auf dem Domplatz zu Worms präsentiert eine Schauspieltruppe das Nibelungenlied als Theateraufführung – und dieses Grundgeschehen wird von Felicitas Hoppe zum Lustspiel über Zitat, Ironie und die zersetzende Kraft der Literatur.

      „Uns ist in alten mæren wunders vil geseit / von helden lobebæren, von grôzer arebeit, / von fröuden hôchgezîten, von weinen und von klagen, / von küener recken strîten muget ir nu wunder hœren sagen.“ So hebt das Nibelungenlied an, dieses Heldenepos, das in seiner Rezeptionsgeschichte so verehrt, verdeutet, verkitscht und missbraucht wurde, das ideologisch so beladen und dann doch als Kunstwerk einzigartig ist.

      Der blonde Siegfried, der dunkle Hagen, die gezähmten Frauen Kriemhild und Brunhild, der Durst nach dem Schatz und des Drachen Ende. Hinter schwarzen Texttafeln, die wie im Stummfilm die Kapitel ankündigen, experimentiert Felicitas Hoppe lustvoll mit dem Mythos, dekonstruiert und setzt neu zusammen. Und fährt in literarischem Schnelltempo der Frage hinterher: Wie war‘s wohl? Wie geht die wahre Geschichte der Nibelungen, dieser europäischen Helden, die in Island oder Norwegen beginnt, am Rhein entlang spielt, die Donau runter erzählt wird und schließlich im Schwarzen Meer mündet?

      Die Literatur darf alles, auch hier ein neues Lied erfinden. Felicitas Hoppes neuer Roman feiert das Zitat und den Ideenklau, die zersetzende Wirkung des Märchens und die Lust am Kontext.

      Die Autorin scheint nicht zufällig in der Rattenfängerstadt Hameln geboren, Mythen und Mären beschäftigen sie immer wieder, in Romanen genauso wie in ihren Kinderbüchern. „Die Nibelungen“ war 2021 für den Deutschen Buchpreis nominiert. Mit Denis Scheck spricht Felicitas Hoppe über ihre produktive und genresprengende literarische Werkstatt und darüber wie viel Mut man braucht, um sich ins altgermanische Schlachtengetümmel zu stürzen. Schließlich, wie heißt es im Motto dieses Romans: „Nur Helden fürchten sich nie, deshalb schreiben sie keine Bücher.“

      • Cécile Wajsbrot: Nevermore

      Ein Puzzle zur Geschichte des 20. Jahrhunderts: Anhand der Erzählung um eine Übersetzerin führt die Französin Cécile Waijsbrot subtil und sinnlich von Paris nach Dresden. Ein Changieren zwischen dem Kollektiven und dem Privaten, welches bekanntlich immer politisch ist.

      Eine Freundin stirbt, eine Ortswechsel soll die Übersetzerin aus ihrer Trauer herausbringen. Nach Dresden zieht es die Ich-Erzählerin, im Gepäck Virginia Woolfs Roman „To the Lighthouse“, den sie ins Französische übertragen soll. Nächtliche Spaziergänge führen sie zu Erscheinungen der toten Freundin, die fortschreitende Übersetzung färbt ihre Wahrnehmung ein ...

      Cécile Wajsbrot erzählt in ihrem neuen Roman "Nevermore" von zwei großen Themen. Einmal geht es um Tod und Vergänglichkeit und damit auch um die Frage: Was bleibt von uns, wenn wir sterben? Gibt es ein Wiedersehen nach dem Tod? Als zweites großes Thema wird hier unheimlich und grandios geschildert, was literarisches Übersetzen bedeutet. Cécile Wajsbrot lässt einen ganz nah an diesem Prozess teilhaben, an all den Gedankenschleifen des Übersetzens – und Anne Weber hat dies beeindruckend ins Deutsche übertragen. Cécile Wajsbrod, 1954 als Tochter polnischer Juden in Paris geboren, Literatin, Übersetzerin, lebt heute abwechselnd in Paris und Berlin. Grade wurde sie zur neuen Vize-Sektionsleiterin Literatur der Akademie der Künste in Berlin gewählt.

      Mit Denis Scheck spricht sie darüber, wie ihr mit „Nevermore“ ein geistfunkelnder Abenteuerroman gelungen ist, in dem die Toten wiederkehren und die Lebenden trotzdem mit dem „Nevermore“ des Wiedersehens umgehen müssen.

      • Empfehlung Denis Scheck: Marieke Lucas Rijneveld

      Mein kleines Prachttier. Aus den Niederländischen von Helga van Beuningen : Ein Roman, der von der alles verzehrenden Liebe eines 49-jährigen Tierarztes zu einer 14-jährigen Bauerstochter erzählt. Angesiedelt ist dieser Roman im calvinistischen Bible Belt der Niederlande. Dieses lustfeindliche

      christliche Umfeld sorgt für reichlich Neurosen und so wundert es denn nicht, dass Mann und Mädchen, die Rijneveld wie zwei Güterzüge auf einer eingleisigen Bahnlinie aufeinander zurasen lässt, schwer traumatisiert sind. Der Tierarzt wurde als Kind von seiner Mutter sexuell missbraucht. Aber erklärt das wirklich die übergriffige Obsession dieses Mannes? Große Kunst, schwer auszuhalten.

      Und wie immer: Denis Schecks pointierte Revue der Spiegel-Bestsellerliste, diesmal Sachbuch, musikalisch eingeläutet von einem überraschenden Archivfund.

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      Sonntag, 12.12.21
      23:50 - 00:20 Uhr (30 Min.)
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      VPS 23:35

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