• 23.08.2022
      14:20 Uhr
      Wackersdorf Fernsehfilm Deutschland 2018 | arte
       

      Landkreis Schwandorf, Oberpfalz, in den 1980er-Jahren. Die Bayerische Staatsregierung plant in aller Stille den Bau einer Atomaren Wiederaufarbeitungsanlage (WAA). Die strukturschwache Region mit ständig wachsenden Arbeitslosenzahlen scheint dafür ideal. Hans Schuierer, amtierender Landrat, wird mit dem wirtschaftlichen Aufschwung geködert. Bald lässt sich der Sozialdemokrat als Retter des Landkreises feiern. Bedenken gegen die geplante Atomfabrik gibt es nur von einer Handvoll Spinnern, die niemand wirklich ernst nimmt.

      Dienstag, 23.08.22
      14:20 - 16:30 Uhr (130 Min.)
      130 Min.
      VPS 14:15

      Landkreis Schwandorf, Oberpfalz, in den 1980er-Jahren. Die Bayerische Staatsregierung plant in aller Stille den Bau einer Atomaren Wiederaufarbeitungsanlage (WAA). Die strukturschwache Region mit ständig wachsenden Arbeitslosenzahlen scheint dafür ideal. Hans Schuierer, amtierender Landrat, wird mit dem wirtschaftlichen Aufschwung geködert. Bald lässt sich der Sozialdemokrat als Retter des Landkreises feiern. Bedenken gegen die geplante Atomfabrik gibt es nur von einer Handvoll Spinnern, die niemand wirklich ernst nimmt.

       

      „Atomenergie - für uns eine ganz neue Technik. Aber in ein paar Jahrzehnten wird man sich das nicht mehr anders vorstellen können.“ Hätte der Landrat der oberpfälzischen Region Schwandorf Hans Schuierer 1981 bereits absehen müssen, dass diese Annahme in eine Sackgasse führt?

      Zugegeben: Er hat es nicht leicht. Verantwortlich für eine eher strukturschwache Region wird der Sozialdemokrat natürlich hellhörig, als eine Initiative des bayerischen Freistaats dort mit dem Bau einer Wiederaufbereitungsanlage bis zu 3.000 Arbeitsplätze schaffen möchte. Zwar steht Schuierer der Regierung Strauß eher kritisch gegenüber, Dr. Billinger, dem charmanten Vertreter des zukünftigen Betreibers, gelingt es jedoch, sein Vertrauen zu gewinnen. Der betont die wirtschaftlichen Vorteile, wiegelt die gesundheitlichen Nachteile ab - und schmeichelt Schuierers Ego. Beide seien Macher, Visionäre, und aus demselben Holz geschnitzt, behauptet er in München mit Blick auf das Olympiastadion.

      Als die Regierung jedoch gesetzwidrig gegen Skeptiker vorgeht, fängt Schuierer an zu zweifeln - immerhin wähnt er sich in einem Rechtsstaat! Jetzt holt er Versäumtes nach und beginnt, sich intensiv mit der Thematik auseinanderzusetzen. Und teilt nach und nach die Bedenken. Schließlich geht er auf die Atomgegner zu, es scheint sinnvoll, sich gemeinsam gegen den Bau der Wiederaufbereitungsanlage zu stellen. Zunächst vermag Schuierer seine neuen Mitstreiter zu beruhigen: Ohne seine Unterschrift wird nicht gebaut, so steht es im Gesetz.

      Doch dieses Gesetz lässt sich ändern: Kurzerhand initiiert in München der Innenminister die „Lex Schuierer“, mit der er besagte Unterschrift übergehen kann. Und so sind die Fronten klar. Schuierer, der seine Gemeinde in Gefahr und sich von der Regierung Strauß betrogen sieht, kämpft nun auf der Seite der Atomkraftgegner … um die Geister, die er rief, wieder loszuwerden.

      Oliver Haffner inszeniert ein Stück Deutscher Geschichte: Einen Höhepunkt der Anti-Atomkraft-Bewegung in der Bayerischen Provinz, zu einer Zeit, in der eine ökologische Energiewende oder Fridays-for-Future-Proteste noch unvorstellbar waren. Der von Ingo Fliess (unter anderem „Es gilt das gesprochene Wort“, 2019) produzierte Film erhielt 2018 einen Sonderpreis des Deutschen Filmpreises, 2019 den Deutschen Filmpreis für die beste Filmmusik, sowie zahlreiche weitere Preise und Nominierungen. Johannes Zeiler (unter anderem „Faust“ 2011) erhielt für die Darstellung von Schuirer 2018 eine Nominierung des Preises der deutschen Filmkritik sowie 2019 für den Deutschen Schauspielpreis.

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