• 27.05.2022
      03:45 Uhr
      treffpunkt medizin DOKU Narzissten, Narren & Neurosen - Was ist normal? | ARD alpha
       

      Heutzutage verschwimmen oftmals die Grenzen zwischen psychischen Krankheitsbildern und liebenswertem Spleen. Fest steht jedoch, dass vermehrt psychische Probleme diagnostiziert werden. Eine Modeerscheinung in der Medizin oder tatsächlich ein Symptom unserer Gesellschaft?

      Nacht von Donnerstag auf Freitag, 27.05.22
      03:45 - 04:30 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Stereo

      Heutzutage verschwimmen oftmals die Grenzen zwischen psychischen Krankheitsbildern und liebenswertem Spleen. Fest steht jedoch, dass vermehrt psychische Probleme diagnostiziert werden. Eine Modeerscheinung in der Medizin oder tatsächlich ein Symptom unserer Gesellschaft?

       

      "Der Mensch des 21. Jahrhunderts ist ein Pilger ohne Masterplan", sagt die Psychotherapeutin Dr. Martina-Leibovici auf die Frage, woran wir uns heute noch halten können.Diese Ausgabe von treffpunkt medizin widmet sich der Betriebstemperatur unserer heutigen Gesellschaft. Ohne wertend zu sein, wird die "Evolution der Persönlichkeitsstruktur" des Menschen im Rahmen der unbeschränkten technischen Möglichkeiten in einem Gesellschaftssystem, das die Einhaltung von Regeln zur Ausnahme macht, untersucht. Oder einfacher gesagt: was machen die vielen Möglichkeiten mit uns? Macht Freiheit unfrei?

      Transparent gemacht werden die Wechselwirkungen dieser Dynamik auf unsere körperliche und seelische Gesundheit. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen psychischen Krankheitsbildern und liebenswertem Spleen. Fest steht jedoch, dass bei Kindern und Erwachsenen vermehrt psychische Probleme diagnostiziert werden und die Bewältigung des Alltags zur Herkulesaufgabe wird. Narzisstische Störungen oder Krankenstände aufgrund von Burn Out-Diagnosen häufen sich. Eine Modeerscheinung in der Medizin oder tatsächlich ein Symptom unserer Gesellschaft?

      Die unterschiedlichen Kapitel befassen sich mit: Narzismus und Egomanie: Nicht per definitionem eine psychische Erkrankung, sondern mehr ein Persönlichkeitsmerkmal. Die Kultur der Selbstpräsentation in modernen Medien stellt das "Selbst" immer stärker in den Vordergrund und die direkte Interaktion mit anderen Menschen, die Empathie, das Erleben von Beziehung von Gefühlen immer mehr in den Schatten.

      ADHS: Auch ADHS-Diagnosen haben stark zugenommen, oft handelt es sich nicht um Entwicklungsstörungen, sondern um lebhafte Kinder die Platz und Aufmerksamkeit brauchen um sich zu entwickeln, besonders problematisch ist die Verwendung von Medikamenten wie Ritalin über längere Zeiträume bei Kindern.

      Burn-Out:Diese durch Überforderung ausgelöste Vorform der Depression erreicht erschreckende Fallzahlen. Statistiken zeigen dass bis zu 20% der Österreicher sich durch ihre täglichen Anforderungen ausgebrannt fühlen. Überschneidet sich geringfügig mit Kapitel Depression, aber spezielle Form.

      Depression: Für die klinische Definition der Depression gelten klare Richtlinien, fest steht jedoch dass abgeschwächte Formen immer häufiger werden, und zunehmend im Kindes- und Jugendalter auftreten, heute ein wesentlicher Grund für Arbeitsunfähigkeit bzw. Invaliditätspension, wie schaut Krankheitsverlauf und Behandlung aus und was bedeutet diese Erkrankung für die Gesellschaft.

      Sucht: Nicht nur Substanzsüchte, wie wir sie von Drogen oder Alkohol kennen, sondern auch Verhaltensmuster die wir heute überall beobachten, Sucht nach Erreichbarkeit, Internet, Social Media etc.

      Das abschließende Kapitel widmet sich einem Schlagwort unserer Tage, der Resilienz: Resilienz ist die Fähigkeit, Probleme gut zu bewältigen, in dem man auf seine emotionalen und persönlichen Ressourcen zurückgreift, um Krisen als Anlass für Entwicklungen zu nutzen. Jeder Mensch hat hier ein anderes "Werkzeug" zur Verfügung. Wichtig dabei, der Humor im Sinne von feiner Selbstironie, der Möglichkeit der inneren Distanz zu sich und der Umwelt, um Zwischenraum für Begegnung zu schaffen.

      Die gesellschaftliche Norm hat letztlich nichts mit krank oder gesund zu tun, sondern ist lediglich durch Häufigkeit und das Fehlen von Leidensdruck determiniert.

      Die Experten: Dr. Gerti Senger, Sexualtherapeutin, Dr. Martina Leibovici-Mühlberger, Autorin,Psychotherapeutin, Gynäkologin, Dr. Ralph Bonelli, Narzissmusexperte & Neuropsychiater, Dr. Rudolf Taschner, Mathematiker, Dr. Jörg Matthes, Medienforscher, Dr. Michael Musalek, Leiter der größten Suchtklinik Europas, dem Anton-Proksch-Institut, Wien.

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