• 17.08.2022
      15:30 Uhr
      Vaia - Leben nach dem Jahrhundertsturm ARD alpha
       

      Im Jahr 2018 hat das Sturmtief Vaia die Bäume wie Streichhölzer umgeknickt oder entwurzelt. Besonders betroffen ist das Gebiet südlich von Bozen, vom Eggental bis hin zum Latemar. Mittlerweile konnte das Schadholz zu großen Teilen abtransportiert werden, doch die ausgedehnten Windwurfflächen werden über Jahrzehnte das Landschaftsbild prägen.

      Mittwoch, 17.08.22
      15:30 - 16:00 Uhr (30 Min.)
      30 Min.
      VPS 15:29
      Stereo

      Im Jahr 2018 hat das Sturmtief Vaia die Bäume wie Streichhölzer umgeknickt oder entwurzelt. Besonders betroffen ist das Gebiet südlich von Bozen, vom Eggental bis hin zum Latemar. Mittlerweile konnte das Schadholz zu großen Teilen abtransportiert werden, doch die ausgedehnten Windwurfflächen werden über Jahrzehnte das Landschaftsbild prägen.

       

      Wenn der Wirt der Messnerjoch-Hütte am Fuße des Rosengarten aus dem Fenster sieht, erkennt er die Landschaft nicht wieder. Sein Blick schweift bis zum Schlernmassiv. Früher war die Aussicht nicht so gut, sagt er, denn die Hütte war von Fichten- und Lärchenwald umgeben. Die enormen Schäden sind zumindest für ein weites Panorama gut. Im Jahr 2018 hat das Sturmtief Vaia die Bäume wie Streichhölzer umgeknickt oder entwurzelt. Besonders betroffen ist das Gebiet südlich von Bozen, vom Eggental bis hin zum Latemar. Mittlerweile konnte das Schadholz zu großen Teilen abtransportiert werden, doch die ausgedehnten Windwurfflächen werden über Jahrzehnte das Landschaftsbild prägen. Der Forstdienst musste sich großen Herausforderungen stellen: Sei es die Sicherung erosionsgefährdeter Hänge, bis hin zur Invasion des Borkenkäfers, der im zerstörten Wald einen reich gedeckten Tisch findet. Forstwege mussten freigeräumt werden, ein Plan für eine Aufforstung musste erstellt werden, die Kapazitäten der Baumschulen mussten hochgefahren werden.

      Im "Naturpark Trudner Horn" wird die Katastrophe auch als Chance gesehen: Die Natur soll sich wieder selbst verjüngen. Die Kahlflächen bieten neue Lebensräume für Pflanzen und Tiere. Nicht alles wird aufgeforstet, und die Pflanzen, die gesetzt werden, sollen die Biodiversität fördern. Die Land- und Forstwirtschaft wird als Ressource für Nachhaltigkeit definiert. Der türkisblaue Karersee am Fuße des Latemar war umgeben von Fichtenwald und ist ein absoluter Publikumsmagnet. Kurz nach dem Sturm waren sämtliche Wanderwege durch umgestürzte Bäume versperrt. Auch die Aufräumarbeiten machen ein Weiterkommen zu Fuß, mit dem Mountainbike oder auch mit dem Pferd unmöglich. Wenn plötzlich ein Bagger mitten auf dem Weg steht, ist eine Tour schneller zu Ende als geplant. Heute versuchen etwa die Wanderführer in der Region, den Schaden touristisch aufzufangen, damit die Schäden für Gäste nachvollziehbar werden. Denn wer die Gegend vorher kannte, kann sich die neue Landschaft kaum erklären, oder vermutet gar menschliche Willkür hinter den abgeholzten Bäumen. Infotafeln stehen an wichtigen Aussichtspunkten und sollen zeigen, dass hier nicht der Mensch eingegriffen hat, sondern die Natur ihre Kraft gezeigt hat.

      Die Regeneration des Waldbestandes wird noch viele Generationen von Förstern beschäftigen. Und auch die Waldbesitzer werden lange keinen Gewinn aus ihren Wäldern ziehen. Die Touristiker sehen in der kahlen Landschaft Perspektiven. Die vielen Wege, die zum Abtransport des Schadholzes angelegt wurden, lassen sich nun teilweise als neue Wanderwege nutzen. Die Natur hat andere Zeitmaßstäbe, doch im Laufe der Zeit wird sie sich erholen.

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