• 13.08.2022
      23:45 Uhr
      Das Wort zum Sonntag spricht Benedikt Welter, Trier | Das Erste
       

      Edith Stein sagte zu ihrer Schwester Rosa: "Wir gehen für unser Volk". Wenige Tage später hat die SS sie und ihre Schwester wie so viele, viele andere in den Gaskammern von Ausschwitz-Birkenau ermordet. Vor ziemlich genau achtzig Jahren.

      Samstag, 13.08.22
      23:45 - 23:50 Uhr (5 Min.)
      5 Min.

      Edith Stein sagte zu ihrer Schwester Rosa: "Wir gehen für unser Volk". Wenige Tage später hat die SS sie und ihre Schwester wie so viele, viele andere in den Gaskammern von Ausschwitz-Birkenau ermordet. Vor ziemlich genau achtzig Jahren.

       

      Edith Stein sagte zu ihrer Schwester Rosa: "Wir gehen für unser Volk". Wenige Tage später hat die SS sie und ihre Schwester wie so viele, viele andere in den Gaskammern von Ausschwitz-Birkenau ermordet. Vor ziemlich genau achtzig Jahren.

      "Da habe ich entschieden, nicht mehr zu glauben" – sagt sie über sich als Teenager. Mit 51 Jahren sagt sie zu ihrer Schwester Rosa: "Wir gehen für unser Volk". Wenige Tage später hat die SS sie und ihre Schwester wie so viele, viele andere in den Gaskammern von Ausschwitz-Birkenau ermordet. Vor ziemlich genau achtzig Jahren.

      Ich spreche von Edith Stein. Geboren wird sie in eine jüdische Familie. Als sie ins Vernichtungslager deportiert wird, heißt sie Teresia Benedicta vom Kreuz; ist Ordensfrau, gehört zur Gemeinschaft im Kölner Karmel-Kloster.

      Als Teenager und junge Frau hat sie nicht mehr glauben wollen; mit gut dreißig Jahren hat sie sich dem christlichen Glauben zugewendet, ist katholisch geworden und schließlich Nonne – Schritte bei ihrer unermüdlichen Suche nach dem, worauf sie ihr Leben setzen kann.

      Edith Stein war auf der Suche – nach der Schule als hochtalentierte Philosophin. Im ersten Weltkrieg als Pflegerin in einem Kriegslazarett. Da erlebte sie das sinnlose Leiden und Sterben von Soldaten. Eine solche Urkatastrophe unserer Zivilisation hat ihr Vertrauen auf das Leben und auf die Philosophie erschüttert. Sie musste weiter fragen und suchen nach dem, worauf sie ihr Leben setzen kann. Das hat sie gefunden im christlichen Glauben. Und der hat ihr den Blick auf ihre jüdische Herkunft neu eröffnet. "Aus dem Leben einer jüdischen Familie", betitelt sie ihre Autobiografie. Die schreibt sie als Ordensfrau im Kloster.

      Inmitten der Erschütterungen ihrer Zeit – Weltkriege und Nazidiktatur – ist Edith Stein ihren Such-Weg gegangen. Konsequent.

      Die Erschütterungen unserer Zeit kennen wir. Edith Stein hätte sie mit ihrem nüchtern wachen Blick auch gesehen. Und hätte die Frage lebendig gehalten, worauf oder auf wen ich mein Leben setzen kann. Diese Frage darf nicht verstummen – schon gar nicht inmitten von Erschütterungen. Darin ermutigt mich Edith Stein.

      Immer weiter zu fragen: "Worauf setze ich mein Leben?" – Und: "Von wem weiß ich mich getragen?"

      Edith Stein und ihren Mitschwestern war klar, dass sie nach den Nazi-Gesetzen als Jüdin in Gefahr war. Anfang August 1942 hat die Gestapo sie und ihre Schwester Rosa aus einem Kloster in den Niederlanden herausgeholt. Da hat sie zu Rosa gesagt: "Wir gehen für unser Volk."

      Dass das, worauf Edith Stein ihr Leben gesetzt hat, mehr als fromme Theorie war, beschreibt eine Zeitzeugin. Sie ist ihr auf dem Bahnhof begegnet, wo die Menschen für die Züge nach Auschwitz zusammengetrieben wurden.

      "... Die eine Nonne, die mir sofort aufgefallen war mit ihrem Lächeln, das ... wie ein warmes Leuchten aufging … als ich dieser Frau begegnete ... wusste ich sofort: das ist ein wahrhaft großer Mensch. ... Bei einem Gespräch sagte sie: Die Welt besteht aus Gegensätzen ... Letzten Endes aber wird nichts bleiben von diesen Kontrasten. Die große Liebe allein wird bleiben ..."

      Diese große Liebe war und blieb das, worauf Edith Stein ihr Leben gesetzt hat. Suchend und glaubend und glaubend immer auf der Suche.

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